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Sir Toby

Sep 052013
 

Aus völlig unergründlicher Ursache ist es uns gelungen, das allererste mal seit Bestehen des OSG, einen Interviewtermin mit der Herbstregatta zu bekommen.

Aus gegebenem Anlasse wollen wir das gesamte, ungekürzte Gespräch wiedergeben:

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Redaktion: Liebe Herbstregatta, wie würdest Du beschreiben, was du eigentlich machst?

Herbstregatta: Im Grunde genommen geht es darum, gegen Ende der Saison für ein ganzes Wochenende zusammen zu kommen und ein bisschen um die Wette zu segeln. Das ist deswegen so wichtig, weil sonst die Gefahr besteht, dass während der langen Wintersaison das Seemannsgarn ausgeht.

Damit möglichst viele Leute teilnehmen können, tauschen wir dann die Alsterjollen gegen Yachten und machen die Flensburger Förde unsicher.

Redaktion: Na das hört sich ja ganz seriös an.

Herbstregatta: Ist es aber auf keinen Fall. Schon in der Vorbereitungsphase wird deutlich, dass die Regattaleitung selbst an den Wettfahrten teilnimmt. Darüber hinaus geht eben diese Regattaleitung geradezu damit hausieren, dass sie bestechlich ist.

Und auch abends, wenn die Mannschaften alle z. B. in Langballigau einlaufen, wird ja eher gefeiert als sich ernsthaft auf den nächsten Wettfahrt-Tag vorzubereiten. Manchmal hat man sogar den Eindruck, der Spaß könnte hier an erste Stelle stehen.

Redaktion: Und dieses Langballigau, wo genau liegt das?

2012-10-12-011-v00Herbstregatta: Ich weiß gar nicht, ob man das von Landseite aus überhaupt erreichen kann. Es ist wahrscheinliche das verschlafenste Nest der nördlichen Erdhalbkugel, wenn nicht sogar von ganz Schleswig-Holstein. Die örtliche Landbevölkerung erwartet die Herbstregatta alljährlich, der Hafenmeister hat deswegen schon mal seinen Urlaub verschoben. Während das Hafencafé dem Geschehen mit norddeutscher Gelassenheit entgegensieht, um uns dann mit köstlichen Fischbrötchen zu überraschen, platzt der Hafen aus allen Nähten. Und spätestens um 23.00 Uhr bricht regelmäßig die Stromversorgung zusammen. Man kann sagen: nirgendswo auf der ganzen Welt sind wir jemals herzlicher empfangen worden.

Redaktion: Zurück zur eigentlichen Wettfahrt: die Boote sind ja doch alle sehr unterschiedlich. Haben denn trotzdem alle Crews die selben Chancen?

Herbstregatta: Es ist ja so: So eine Segelyacht ist im Prinzip ein Verdränger, jedenfalls solange sie nicht in die Gleitphase kommt. In der Verdrängerfahrt ist ein Boot ja in seinem eigenen Wellensystem gefangen. Quasi.

Redaktion: Schon klar.

Herbstregatta: Auf der Ostsee ist die Welle ja insgesamt eher kabbelich, in der Flensburger Förde allemal. Und wir wissen ja, dass die Wasserströmungsgeschwindigkeit an der Rückseite der Welle im Verhältnis Wassertiefe zu Wurzel aus Wellenhöhe mal Breitengrad abnimmt. Was sich ja besonders dann auf das Anströmungsverhalten im unteren Kielbereich positiv auswirkt, wenn man die Welle nicht gerade, sondern mit in einem Winkel abreitet, der möglichst nah an der Grenze zwischen Baumniederholervorspannung und Genua-Schot-Holepunkt liegt. Und wir sprechen hier von der Wasserströmungsgeschwindigkeit knapp unterhalb der Oberfläche, da ist dann schon mal Kantesitzen angesagt.2011-10-08a-012-v00

Redaktion: Wohl eher was für Mathematik-Studenten?

Herbstregatta: Wenn du dann, platt vorm Laken, denkst, du könntest die Abdrift wieder gut machen indem du einfach gegensteuerst, geht nix mehr. Gar nix. Es sei denn natürlich, du öffnest vorher ein bisschen den Mastfall, aber am besten schon dann, wenn die Welle gerade eben noch nicht durch ist.

Redaktion: Nun steht doch eigentlich die Frage im Raum, ob denn alle Crews die gleichen Chancen haben?

Herbstregatta: Das regelt ja alles der Yardstick.

Redaktion: Und gelten denn wenigstens die internationalen Wettfahrtregeln für den Segelsport?

Herbstregatta: Was ist das denn?

Redaktion: Schon gut. Und ist die Herbstregatta eine Vereinsveranstaltung?

Herbstregatta: Ja, klar. Jeder bezahlt den gleichen Beitrag. Die meiste Kohle geht für die Boots-Miete drauf, und die Endreinigung und all so’n Kram.

Und wenn zum Schluss noch etwas übrig bleibt, dann schenken wir’s dem DGzRS. Die machen ja auch kein Feierabend, bloß weil Herbst ist.

Redaktion: Und stimmt es wirklich, dass Du in diesem Jahr 20 wirst?

Herbstregatta: Äääähhhh (Anm. d. Red.: der Blick wandert jetzt ein bisschen verschämt auf dem Boden rum) Also, es ist so: es könnte sein, dass ich mich da etwas verzählt habe. Nach alten Überlieferungen bin ich 1992 in’s Leben gerufen worden. Das sagen die Gravuren auf dem ersten Wanderpokal. Dann gab es aber auch wieder Jahre, in denen hat man mich sträflich vernachlässigt. 2006 z. B. bin ich völlig missachtet worden. Es war eine schwere Zeit, die wollte ich nicht mitzählen.... Also vielleicht bin ich 21, aber auf keinen Fall mehr!!