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Sep 022012
 
OSG Baywatch

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Bereits zum zweiten Mal heißt es für 20 Segler am Sonntag wieder: schnell reagieren beim Notfall auf dem Wasser! Unter fachmännischer Anleitung des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) werden die wichtigsten Bergungs- und Erstehilfemaßnahmen vermittelt:

  • Mann über Bord – und nun?
  • Was tun bei Ohnmacht?
  • Was passiert, wenn der Körper unterkühlt?
  • Stichwort "Rettungstod" -  wie beugt man vor?
  • Gefahr durch "nachträgliches" Ertrinken?

 

Mann über Bord – jetzt schnell reagieren!

Klassisches Boje-über-Bord-Manöver: Abfallen, Q-Wende fahren, Aufschießer, Boje bzw. Segelpartner an Bord ziehen... Hört sich einfach an? Klar, wenn das Manöver glückt, der andere noch bei Bewusstsein ist - du ihn beim Aufschießer also nicht über den Haufen gefahren hast 😉 - das Wasser Badetemperatur hat und dein Partner aus eigener Kraft mithilft, wieder an Bord zu krabbeln.

Aber was, wenn das Wasser sehr kalt ist oder dein Partner ohnmächtig wird, also auf Ansprache nicht mehr reagiert?

Techniken und Hilfsmittel

Bergung

Bergung über die Winsch

Zunächst einmal ein Hinweis an alle Leichtgewichte unter uns: Verabschiedet Euch von dem Gedanken, als 60 Kilo Grazie Euren 80 Kilo schweren ohnmächtigen Segelpartner ohne Hilfsmittel aus eigener Kraft an Bord ziehen zu können. Selbst anders herum wird es ein ziemlicher Kraftakt.

Trotzdem gibt es ein paar Tricks bzw. Hilfsmittel, mit denen es erleichtert wird:

  • An den Handgelenken fassen, mehrmals untertauchen und dann mit Schwung aus dem Wasser ziehen…
  • Über die lebende "Rückenrutsche" an Bord ziehen - wenn Helfer vor Ort
  • An Bord 'winschen', wenn Vorrichtung vorhanden
  • Einsatz von Bergesegel oder Rettungsnetz, wenn vorhanden
  • Einsatz von Fock oder Groß zum Bergen
Wasserbergung 1

Über Kreuz an den Handgelenken fassen

Wasserbergung 2

Ein- bis dreimal unter Wasser tauchen

Wasserbergung 3

Mit Schwung aus dem Wasser ziehen und dabei drehen

Wasserbergung 4

Auf dem Rand absetzten, stützen und vorsichtig hinlegen

Dein Segelpartner reagiert nicht mehr auf Ansprache

Da du zunächst nicht weißt, ob dein Partner noch Puls hat oder 'nur' bewußtlos ist, schnell handeln! Nach drei Minuten ohne Sauerstoffzufuhr können die ersten Gehirnzellen absterben, also:

Ohnmächtig im Wasser

Ohnmächtig im Wasser

  • Notruf absenden bzw. Hilfe heranwinken
  • Wenn du deinen Partner nicht aus eigener Kraft an Bord ziehen kannst, am Boot sichern und Kopf überstrecken, damit die Atemwege frei sind
  • Atemcheck: Hebt und senkt sich der Brustkorb?
  • Bei Atemstillstand: Sofort Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten, bis der Notarzt kommt
  • Ist Atmung vorhanden, den Verunglückten in die stabile Seitenlage bringen

Wasser in der Lunge – Lebensgefahr!

Nach geglückter Wiederbelebung oder wenn dein Partner viel Wasser geschluckt/eingeatmet hat, gehört er nicht nach Haus ins Bett sondern sofort ins Krankenhaus! Erschreckend aber möglich: Ist Wasser in die Lunge gekommen, kann er nachträglich noch daran 'ertrinken' bzw. an einem Lungenödem versterben!

Die drei Stadien der Unterkühlung

Unterkuehlung

Erstes Stadium der Unterkühlung

Solange dein Partner stark zittert, schnell atmet und ansprechbar ist, befindet er sich noch im Abwehrstadium der Unterkühlung. Die Symptome:

  • Kalte, blasse Haut
  • Blauverfärbung der Lippen
  • Muskelzittern
  • Schmerzen an Händen und Füßen (und Gelenken)
  • vertiefte, schnelle Atmung
  • beschleunigter Puls

Brenzliger wird die Situation, wenn das Bewusstsein einzutrüben beginnt, die Person ruhiger wird und kaum noch auf Ansprache reagiert.  Bei einer Körperkerntemperatur unter 34 Grad C° beginnt bereits das sog. Erschöpfungsstadium der Unterkühlung. Die Symptome:

  • Blauverfärbung der Haut
  • Bewusstseinstrübung
  • Muskelstarre
  • flache, unregelmäßige Atmung
  • schwacher Puls

Hier wird’s absolut kritisch: Bei einer Körperkerntemperatur unter 27 Grad C° tritt der sog. Scheintod ein – mit folgenden Symptomen:

Starke Schlafsucht

Starke Schlafsucht?!

  • starke Schlafsucht
  • Pupillen weit und lichtstarr
  • Einsetzende Bewusstlosigkeit
  • Muskelstarre, also kein Zittern mehr
  • Atmung sehr unregelmäßig, kaum spürbar
  • sehr schwacher und unregelmäßiger Puls
  • Atem- und Kreislaufstillstand möglich

Maßnahmen bei Unterkühlung

Während im Abwehrstadium noch alle Register gezogen werden sollten, den Kameraden wieder aufzuwärmen – also nasse Kleidung ausziehen, den Körper wärmen, gesüßte Heißgetränke geben (kein Alkohol, kein Kaffee oder Tee – das weitet die Gefäße!), ist beim Stadium 2 oder 3 absolute Vorsicht angesagt!

Befindet sich der Unterkühlte bereits im Erschöpfungsstadium oder sogar Scheintod, auf keinen(!) Fall die äußeren Gliedmassen reiben. Dadurch wird das kalte Blut aus Armen und Beinen ins Körperinnere transportiert, was zum Kälteschock am Herzen führen kann, also Herzkammerflimmern bis Herzstillstand. Hier spricht man dann vom drohenden Rettungs- oder Bergungstod!

Der Betroffene sollte also möglichst wenig bewegt werden. Stattdessen hinlegen, mit Decken zudecken, evtl. mit der eigenen Körperwärme warm halten, bis der Notarzt kommt.

Fazit

Das Bergungsseminar war eine der nützlichsten Erfahrungen seit Langem. Ich habe viel dazugelernt und konnte durch praktisches Ausprobieren meine Kräfte viel realistischer einschätzen. Es ist gut, für den Notfall mehrere Handlungs-Optionen parat zu haben.  Nichts ist schlimmer, als die eigene Hilflosigkeit.

Und wie für beinahe alles im Leben gilt auch hier wieder: Ausprobieren und üben, üben, üben – und zwar bevor der Notfall eintritt! Ich wundere mich ehrlich gesagt, dass Bergungs- und Rettungskurse für den Segel- und Bootsführerschein nicht obligatorisch sind.

Noch ein abschließender Appell an die Segelkameraden: bitte verzichtet in keiner Situation auf dem Wasser auf Eure Rettungswesten!

Tanja

PS: Vielen Dank an ASB und Peter für die tolle Organisation/Durchführung und danke Christine für die Verpflegung am Grill!

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  7 Responses to “Sind wir eigentlich fit für den Notfall?”

  1. Der allerschönste Moment war, als Gunnars Kopf zwischen meinen Beinen auftauchte und ich wusste: Ich bin gerettet!
    Fantastischer Artikel Tanja, toller Kurs. Vielen Dank allen Teilnehmern und Mithelfern! Das machen wir 2013 unbedingt nochmal! Und sehr bald den Praxis- Nachholtermin für alle Teilnehmer vom zweiten Kurs gestern natürlich!

  2. Schöne Zusammenfassung, sinnvolle Veranstaltung beim nächsten Mal bin ich auf sicher dabei.

  3. Auch unser nachgeholter Praxistermin war super – und blaualgenfrei!
    Wirklich gut mal verschiedene Rettungsvarianten ausprobiert zu haben und zu wissen was funktionieren kann bzw. was kräftemäßig nicht geht. Danke an die Jungs vom ASB!

  4. So! Nach in Summe doch einigen Anläufen (bedingt durch Algenblüte, Krankheitsfälle, personelle Umbesetzungen last minute, Wetter und sonstigen Abstimmungsprobleme) hat gestern nun auch der zweite Schwung Kursteilnehmer den Praxisteil „Bergen“ geschafft. Demnächst folgt ein Angebot vom ASB für OSG-Spezial-Wassersport Erste Hilfe Kurse in der Winterpause und zur nächsten Segelsaison melden wir uns dann zurück mit Bergen und Retten 2013. Vielen Dank an alle (ehrenamtlichen!!!) Ausrichter, Unterstützer und Teilnehmer!

    😉

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