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Sep 022013
 

"Regatta-Segeln? Nein, ich segel nur zum Spaß." Diese Antwort hört man gelegentlich in der OSG auf die Frage, ob man auch Regatten segeln würde. Mit Spaßsegeln ist dann endweder das entspannte Feierabendsegeln oder das konsequente Halbwind-Hin-und-Her-Heizen bei viel Wind auf Gleitjollen gemeint. Der Regattasegler kämpft sich dagegen verbissen durch langweilige Up-and-Down-Kurse und kommt nie in den Genuß des Halbwind-Segelns - so manchmal die landläufige Steg-Meinung. Dieses konnte nun bei der Europameisterschaft der 505er in Medemblik am Ijsselmeer wiederlegt werden.

Zwei OSGler haben sich mit ihrem 505er auf den Weg nach Holland gemacht um nach 4 Tagen erneut festzustellen, dass Regattasegeln richtig viel Spaß macht und auch Halbwind-Elemente enthalten kann. Auf der Hin-und Rückfahrt  zur Regattabahn wurde der vermutlich längste Halbwind-Ritt in Gleitfahrt in der OSG-Geschichte gesegelt (gut 2 Seemeilen). Da haben auch Regattasegler ein breites Grinsen im Gesicht!

Und die Europameisterschaft zu segeln hat natürlich auch riesigen Spaß gemacht. Mit den Tücken eines 90-Boote-Felds zu kämpfen, nachdem man den Start versemmelt hat, zwischendurch festzustellen das man im Vergleich zu Anderen richtig schnell ist, um dann an der Tonne trotzdem hinten anzukommen oder mit weit aufgerissenen Augen über den eigenen Speed unter Spinaker zu staunen und nach den Wettfahrten mit den Lieblingsgegnern ein Bier zu trinken ist nicht nur spannend sondern einfach großartig. Dazu kam eine gute und entspannte Veranstaltungsorganisation, Sonnenschein und ein Zeltplatz mit Blick auf ein klasse Segelrevier.

Die unterschiedlichen Wind- und Wellenbedingungen haben uns zu schaffen gemacht.  Den drehenden, löchrigen Leichtwind der ersten beiden Tage haben wir nicht verstanden, aber zum Glück waren wir da nicht die Einzigen. Bei bis zu 28 Knoten Wind und kurzer steiler Ijsselmeer-Welle an den darauffolgenden Tagen die Grenzen des eigenen Könnens und des Materials zu testen war eine echte Aufgabe, die wir ganz gut und mit nur einer kaputten Segellatte gemeistert haben. Im Kentern scheinen wir eine gewisse Routine mitzubringen. Die Kenterungen haben wir an der Kreuz erledigt, das ist erwiesenermaßen zeitsparender als unter Spinnaker. Und unser oberstes Ziel nicht Durchzukenten um in dem flachen Wasser den Mast nicht abzubrechen, haben wir auch erreicht. Irgendwann ist es uns auch endlich gelungen die richtige Kursseite zu erkennen - auf dem Weg zum Buffet war die linke Seite klar bevorteilt.

Da Reisen ja bekanntlich bildet, haben wir auch kulturell dazugelernt: Dänen kentern doch, Finnen stapeln zwei Doppeltrailer übereinander um mehr Boote gleichzeitig trailern zu können und Holländer haben andere Sitten Fisch zu servieren (man greife einen öligen Hering an der Schwanzflosse und dippe ihn in einen Teller kleingehackte Zwiebeln und bugsiere das Ganze irgendwie in den Mund - wie man elegant die zugehörigen Gurkenscheiben an den Fisch bekommt bleibt ein Rätsel...).

Da diesmal nur ein Boot für die OSG gestartet ist (Jens und ich auf GER 8500), war der Kampf um den Titel "schnellstes OSG-Boot Europas" schnell entschieden. Nach 9 Wettfahrten sind wir immerhin auf der ersten Seite der Ergebnisliste gelandet (Platz 64 von 89). Der Europameister-Titel ging an die Bojsen-Möller-Brüder aus Dänemark, gefolgt von den deutschen Teams Bogacki/Dehne und Schomäker/Jess. Herzlichen Glückwunsch!

Unser Fazit: Schönes Segelrevier, entspannte Atmosphäre, viel gelernt, noch viel zu lernen und ganz viel Spaß!

Weitere Fotos von der EM gibts hier.

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